Ärztehaus am Candidplatz

Das bestehende Ärztehaus direkt am Candidplatz soll umgebaut, erweitert und zu einem zeitgemäßen Gebäudekomplex mit gemischter Nutzung entwickelt werden.

Das Projekt

Luftbild mit Umgriff
LHM
Umgriff des Planungsgebiets, Bebauungsplan Nr. 2204

Das direkt am Candidplatz gelegene Areal soll nachverdichtet und zu einem attraktiven Bürostandort mit urbaner Nutzungsmischung weiterentwickelt werden. Der private Vorhabenträger plant ein Büro- und Ärztehaus, das mit weiteren Nutzungen zum belebten Stadtbaustein werden soll. So sollen hier künftig auch Flächen für Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit entstehen sowie Wohnungen für Auszubildende und Studierende. Hierfür soll das derzeitige Ärztehaus, eine bis zu siebengeschossige Gebäudestruktur aus den 1980er-Jahren, umgebaut und erweitert werden. Der Großteil des Bestands soll energetisch saniert und aufgestockt werden. Im westlichen Grundstücksteil ist ein Neubau geplant, der drei bestehende Gebäude ersetzen soll. Grünflächen und Freiräume werden neu gestaltet, um die Aufenthaltsqualität aufzuwerten. Stärker einbezogen werden soll auch der lärmgeschützte Innenhof.

Information

Steckbrief

Stadtbezirk: Untergiesing – Harlaching
Lage: Candidplatz
Fläche: knapp 7.000 qm
Bisher: Ärztehaus mit ergänzender medizinischer und gesundheitlicher Nutzung
Geplante Nutzungen: Büros, Arztpraxen, Nahversorgung, Kleingewerbe, Gastronomie, Freizeit- und Kulturangebote sowie Wohnungen für Auszubildende und Studierende
Bebauungsplan Nummer: 2204
Verfahrensstand: Einleitungsbeschluss

Details zum Projekt

Das Planungsgebiet liegt am Candidplatz zwischen der Hochstraße des Mittleren Rings und der Candidstraße, die in einem Bogen den Isarhang hinaufführt. Zwischen den stark befahrenen Straßen befindet sich das knapp 7.000 Quadratmeter große Areal in Insellage. Im Osten wird es durch den Auer Mühlbach im Landschaftsschutzgebiet „Isarauen“ begrenzt. Zum Planungsumgriff gehören auch die Flächen unterhalb der Hochstraße des Mittleren Rings, die derzeit überwiegend als Stellplatz genutzt werden. Das Areal liegt in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn-Station Candidplatz und zu mehreren Buslinien. Auch für den Individualverkehr ist es sehr gut erschlossen.

Auf der gegenüberliegenden Seite südlich der Candidstraße befindet sich ein städtisches Grundstück mit einer Interims-Kindertagesstätte sowie einem Jugendfreizeitort mit verschiedenen Spielangeboten. Für dieses Gebiet ist gegenwärtig eine bauliche Entwicklung mit Fokus auf Wohnnutzung in Prüfung.

Die Bestandsbebauung aus den 1980er-Jahren setzt sich aus einzelnen, zwei- bis siebengeschossigen Baukörpern zusammen. Die neun zusammenhängenden Punktgebäude gruppieren sich um einen großen Innenhof mit Wasserbassin. Im Vorfeld beauftragte der Vorhabenträger vier Architekturbüros mit der Erstellung von Planungskonzepten. Der Entwurf der Rotterdamer Architekten MVRDV und der Münchner Landschaftsarchitekten Keller Damm Kollegen wurde 2021/2022 in der Stadtgestaltungskommission und dem Bezirksausschuss 18 Untergiesing-Harlaching vorgestellt. Bei einem Workshop im Mai 2022 erläuterte der Investor das Vorhaben der Öffentlichkeit. Der Stadtrat fasste im Januar 2024 einen Beschluss zum weiteren Vorgehen bei diesem Bauvorhaben, der Anträge aus verschiedenen Gremien behandelte. 

Das städtebauliche und landschaftsplanerische Konzept der Architekten MVRDV und der Landschaftsarchitekten Keller Damm Kollegen bildet die Grundlage für das weitere Bauleitplanverfahren. Es sieht eine zeitgemäße Weiterentwicklung zu einem attraktiven Bürostandort mit urbaner Nutzungsmischung vor. Der Entwurf nimmt die Kubatur des Bestands auf und entwickelt sie in der Vertikalen weiter. Im westlichen Grundstücksbereich ersetzt ein Neubau drei der neun bestehenden Gebäudeteile. Er besteht aus parallel gestapelten Kuben, von denen sich die beiden obersten treffen und ein Tor bilden. Als Hochpunkt bildet der Neubau ein architektonisches Zeichen für das Stadtquartier und verleiht dem Planungsgebiet eine starke Identität.

Für Hochhausprojekte in München gibt es hohe gestalterische und gesellschaftliche Anforderungen. Die Kriterien umfassen unter anderem Städtebau, Architektur, gesellschaftlichen Mehrwert sowie Nachhaltigkeit und Klima. Eine erste Stadtbildverträglichkeitsuntersuchung und eine Vorstudie zu den Qualitätskriterien prüften bereits die geplante Gebäudehöhe der Ärztehauses im Hinblick auf das Grundstück sowie im Kontext des Stadtteils. Sowohl das Planungskonzept als auch die Vorstudie zeigen Ansätze auf, um diesen Anforderungen Rechnung zu tragen. Einige Punkte werden in den weiteren Planungsschritten vertieft und verifiziert. So sollen im Bebauungsplanverfahren nochmals die Stadtbildverträglichkeit und Integration in den städtebaulichen Kontext genauer untersucht und bei Bedarf angepasst werden.

Die sechs bestehenden Gebäudeteile im östlichen Grundstücksbereich sollen erhalten, saniert und teilweise mit Wohnen für Auszubildende und Studierende aufgestockt werden. Somit sollen zirka 70 Prozent des Baubestands erhalten werden.

Der Umbau und die Erweiterung auf dem Areal zielen auf eine stärkere Nutzungsmischung und eine Belebung des Ortes ab. Im torförmigen Neubau sollen vor allem zusätzliche Büroflächen entstehen. Der derzeitige medizinische Schwerpunkt im Bestand soll nach Möglichkeit beibehalten werden. Es ist geplant, die Funktionsvielfalt durch Freizeitnutzungen und besondere Wohnformen sowie durch Künstlerateliers, Co-Working-Spaces und Gastronomie zu erweitern, um den lebendigen Charakter des Viertels nachhaltig zu fördern. Dazu trägt auch bei, dass sich die neue Sockelzone im Erdgeschoss sowohl straßenseitig als auch zum Innenhof hin öffnen soll.

Der Versiegelungsgrad und die bauliche Dichte im Planungsgebiet sind hoch, doch stehen an den Randbereichen alte, erhaltenswerte Großbäume auf der umgebenden städtischen Fläche. Im Innenhof befinden sich derzeit einzelne Hochbeete mit Bodendeckern, Solitärsträuchern und Kleinbäumen. Neugestaltete Grün- und Freiflächen sollen künftig den Bewohner*innen, Besucher*innen und Arbeitenden im Quartier eine hohe Aufenthalts- und Erholungsqualität bieten. Dabei sollen die prägenden Bäume möglichst erhalten und eine klimawirksame Begrünung geschaffen werden. Zudem soll der lärmgeschützte Innenhof verstärkt genutzt werden, ebenso wie die Durchwegung als Verbindung ins Quartier. Auch die Dachflächen sollen zum Großteil öffentlich beziehungsweise als gemeinschaftliche Dachgärten auf verschiedenen Ebenen zugänglich sein. Dach- und Fassadenbegrünung dienen der Klimaanpassung und verbessern das Mikroklima.

Da der derzeitige rechtsverbindliche Bebauungsplan Nr. 1118 die Umsetzung der vorgesehenen Ziele nicht ermöglicht, soll auf Grundlage des Planungskonzepts von MVRDV mit Keller Damm Kollegen ein Bebauungsplan mit Grünordnung als Vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden.
 

Chronologie

01/2026 Einleitungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2204

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