Die Leitlinie Freiraum – für eine grüne, lebenswerte Stadt
Mit der Leitlinie Freiraum möchte die Landeshauptstadt die vielfältigen Grün- und Freiräume in München erhalten, entwickeln und vernetzen.
Freiräume für ein gutes Miteinander
Grün- und Freiräume sind „Alleskönnenmüsser“. Sie erfüllen unterschiedliche Erwartungen, Aufgaben und Funktionen – und das in der Regel gleichzeitig. Parks und Grünzüge, Seen und Fließgewässer, aber auch die Landschaftsräume des Münchner Grüngürtels sind wichtig für die Lebensqualität und ein gutes Miteinander in München. Sie sind Orte, an denen sich die Menschen erholen, Freund*innen treffen, spielen und Sport treiben. Dort werden aber auch Nahrungsmittel für Menschen und Tiere angebaut. Außerdem haben Freiräume wichtige ökologische Funktionen, zum Beispiel für den Wasserhaushalt, den Luftaustausch, die biologische Vielfalt und die Anpassung an den Klimawandel.
Selbstverpflichtung der Stadt
Am 14. Januar 2026 hat der Planungsausschuss des Münchner Stadtrats die Leitlinie Freiraum beschlossen. Mit ihr sollen die vielfältigen Grün- und Freiflächen in der Stadt geschützt, vernetzt und weiterentwickelt werden. Die Leitlinie Freiraum bildet den Rahmen, wie die Landeshauptstadt ihre Freiräume als Kernelemente einer nachhaltigen Stadtentwicklung sichert, unterhält und weiterentwickelt. Als Fachleitlinie des Stadtentwicklungskonzepts „Perspektive München“ verankert sie die Ziele und Umsetzungsstrategien auf strategischer und politischer Ebene. Sie ist damit eine Selbstverpflichtung der städtischen Referate.
Mehrere, teilweise referatsübergreifende Leitprojekte zeigen beispielhaft, wie sich die Ziele der Leitlinie Freiraum fördern und umsetzen lassen. Inhaltlich baut die Leitlinie Freiraum auf dem Konzeptgutachten „Freiraum M 2030“ auf. Das Ziel: Freiräume so zu planen und zu gestalten, dass sie auch in Zukunft möglichst vielen Anforderungen gerecht werden. Für ein lebenswertes München mit viel Grün.
Herausforderungen
Klimaveränderungen, Artenschwund, demografischer Wandel – das sind die großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Stadtentwicklung muss sich darüber hinaus mit München-spezifischen Themen auseinandersetzen, die Einfluss auf unsere Freiräume haben.
- Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum: mehr Platz für bezahlbares Wohnen und Gewerbe
- Mobilitätswende: mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr sowie den Öffentlichen Personennahverkehr
- Individualisierung: mehr ausdifferenzierte Angebote für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und Nutzungsansprüche
Das bedeutet mehr Konkurrenz um die zur Verfügung stehenden Flächen und Nutzungskonflikte, die sich auch und gerade im öffentlichen Raum zeigen.
Der öffentliche Raum
Die bekanntesten öffentlichen Freiräume in München sind der Olympiapark, die Isarauen und der Englische Garten. Zu den öffentlichen Freiräumen zählen aber auch die kleinen Grünanlagen in den Quartieren, die Baumreihe vor dem Haus, Friedhöfe, Spiel- und Sportanlagen, Wege, Straßen und Plätze.
Ziele
Damit Münchens Grün- und Freiflächen auch in Zukunft lebenswert, vielseitig nutzbar und ökologisch wertvoll bleiben, braucht es gemeinsames Engagement und klare Ziele.
Münchens Grünflächen sollen so geplant, gestaltet und gepflegt werden, dass sie auch in Zukunft für alle da sind – als Orte zum Erholen, Spielen, Begegnen und als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Wichtig ist, dass sie vielfältig nutzbar, gut erreichbar und ökologisch gesund bleiben – auch wenn sich die konkreten Anforderungen der Menschen ändern.
Grünflächen brauchen ausreichend Raum und eine gute Vernetzung, damit sie ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen können – als Bewegungsräume, im Biotopverbund und für den Luftaustausch. Deshalb will die Stadt sicherstellen, dass es von der Innenstadt bis zum Grüngürtel genügend zusammenhängende und gut vernetzte Freiflächen gibt – und dass diese geschützt, aufgewertet und multifunktional weiterentwickelt werden.
Da in München freie Flächen sehr knapp sind, sollen künftig vor allem vorhandene Flächen umgebaut und besser genutzt werden. Wohnen, Verkehr und Grünflächen müssen gemeinsam geplant werden. Dieses Konzept nennt man die „dreifache Innenentwicklung“. Solche Vorhaben sind aufwändig, erfordern eine gute Zusammenarbeit und ausreichend Geld und Personal.
Grünflächen und viele ihrer Funktionen wie Luftaustausch, landwirtschaftliche Produktion oder Erholung enden nicht an der Stadtgrenze. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit den Nachbarkommunen die Landschaftsräume im Grüngürtel rund um München zu schützen und weiterzuentwickeln – für eine starke und nachhaltige Stadtregion.
Handlungsfelder
Aus den übergeordneten Handlungszielen ergeben sich neun Handlungsfelder. Diese setzen an verschiedenen Stellen an und zeigen Strategien, die dazu beitragen, dass die Münchner Grün- und Freiräume den Anforderungen einer dynamischen Metropole weiterhin gerecht werden.
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Qualitäten und Funktionen: Drei Handlungsfelder befassen sich mit den sozialen Funktionen, der ökologischen Leistungsfähigkeit sowie den räumlichen Qualitäten der Grün- und Freiräume. Die Landeshauptstadt möchte sie erhalten, verbessern und zukunftsfähig machen.
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Fläche und Vernetzung: In drei Handlungsfeldern geht es um die Sicherung, Akquise und Vernetzung der dafür notwendigen Flächen.
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Austausch und Zusammenarbeit: Drei Handlungsfelder widmen sich den Grün- und Freiräumen als Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb sollen Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft zusammenarbeiten – auf unterschiedlichen Steuerungsebenen und über kommunale Verwaltungsgrenzen hinweg.
Leitprojekte
Mehrere referatsübergreifende Leitprojekte zeigen beispielhaft, wie sich die Ziele der Leitlinie Freiraum fördern und umsetzen lassen. Sie reichen von der Erarbeitung planerischer Grundlagen über Beispielprojekte bis hin zu räumlichen Entwicklungskonzepten und strategischen Vorhaben. Ob und wie sie umgesetzt werden, hängt unter anderem davon ab, mit wem die Stadt zusammenarbeiten kann, welche Flächen zur Verfügung stehen und welche Finanzmittel. Die Leitprojekte sind meist so angelegt, dass sie mehrere Handlungsfelder betreffen und mehrere städtische Referate beteiligt sind.
Bäume spenden Schatten, kühlen im Sommer die Umgebung und lassen im Winter Sonnenstrahlen hindurch – ganz ohne zusätzlichen Aufwand. Deshalb möchte die Stadt in der hitzebelasteten Altstadt so viele Bäume wie möglich auf öffentlichem Grund pflanzen. Eine Machbarkeitsstudie hat rund 150 geeignete Standorte für neue Bäume in der Innenstadt ausgemacht. Das Baureferat prüft derzeit zusätzlich Aspekte wie Gestaltung, Denkmalschutz sowie die Beteiligung von Partnern wie CityPartner und dem Bezirksausschuss. Anschließend legt das Baureferat dem Stadtrat einen Vorschlag vor, wie und wo Bäume gepflanzt werden können.
In der Altstadt soll alle 150 Meter ein Aufenthaltsort entstehen, der auch an Hitzetagen Abkühlung bietet. Grundlage hierfür ist das Gutachten „Integration von klimaresilienten Grün- und Freiraumstrukturen in die historische Münchner Altstadt“. Es zeigt Möglichkeiten, wie sich die Auswirkungen des Klimawandels mildern lassen: durch Entsiegeln, mehr Bäume, Dach- und Fassadenbegrünung und Wasser. Zugleich lässt sich so die Aufenthaltsqualität in der Altstadt verbessert.
Langfristiges Ziel ist ein Netz aus begrünten Wegen, Plätzen und Bereichen, die das Stadtklima positiv beeinflussen. Dafür müssen für einige Gebiete in der Altstadt zunächst Grundlagen erarbeitet sowie passende Projekte entwickelt und umgesetzt werden.
Das Baureferat untersucht derzeit rund 1.300 öffentliche Grünanlagen. Sie sollen für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erholung, Klimaanpassung und Biodiversität weiterentwickelt werden.
Bisher legen Bebauungspläne mit Grünordnung vor allem die bauliche Entwicklung von Flächen rechtsverbindlich fest. Mit der Aufstellung eines „grünen“ Bebauungsplans für die Parkmeile Feldmochinger Anger soll dieses Instrument dazu eingesetzt werden, infrastrukturelle Belange in Verbindung mit der planungsrechtlichen Sicherung eines Grünzugs abzugleichen. Für die Parkmeile Feldmochinger Anger liegen bereits eine Masterplanung und ein Aufstellungsbeschluss für die Erstellung eines Bebauungsplans mit Grünordnung vor.
Am Luitpoldpark sollen statt der bislang zwei Gymnasien und einer teilweise ausgelagerten Realschule drei vollständige Schulen untergebracht und zugleich erweitert werden. Dafür muss das gesamte Areal neu geplant und organisiert werden. Neben den Schulen sollen dort auch weitere Angebote entstehen – zum Beispiel für Erwachsenenbildung, Freizeitsport und Erholung. So könnte ein moderner Bildungscampus entstehen, ein zentraler Treffpunkt und wichtiger Ort für das ganze Viertel.
Die Erweiterung braucht allerdings mehr Platz. Gleichzeitig sollen über 550 Bäume erhalten und in das neue Schulkonzept integriert werden. Deshalb müssen die Anforderungen an Schul- und Sportflächen mit den ökologischen und städtebaulichen Zielen in Einklang gebracht werden. Besonders die notwendigen Freisportflächen mit ihren festen Vorgaben machen die Planung komplex.
Im Auftrag des Referats für Bildung und Sport hat die TU München ein Freisportflächenkonzept entwickelt, das rund 50 Prozent weniger normierter Flächen benötigt – und gleichzeitig mehr Qualität, Vielfalt und Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Trotzdem sollen auch die Bedürfnisse des Vereinssports berücksichtigt werden.
Das neue Konzept wird derzeit mit der Regierung von Oberbayern abgestimmt. Wenn es genehmigt und gefördert wird, hat der Bildungscampus Luitpoldpark das Potenzial, zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige und zukunftsorientierte Schul- und Stadtentwicklung zu werden.
Begleitende Studien zeigen zudem, dass eine klimaangepasste Freiraumgestaltung die Schulhöfe und Außenbereiche noch attraktiver machen und ihre Nutzungszeiten verlängern kann.
Wenn neue Straßen und Wege gebaut werden, soll möglichst wenig Fläche versiegelt und ein Mehrwert für Natur und Erholung geschaffen werden. Ein Beispiel ist die geplante Fuß- und Radverbindung vom Olympiapark nach Norden. Für den Abschnitt zwischen Sapporobogen und DB-Nordring gibt es bereits eine Vorplanung. Derzeit fehlt aber das Geld, diese umzusetzen. Für den nördlichen Abschnitt vom Eggarten über den Lerchenauer See, Fasaneriesee und Feldmochinger See bis zur Regattaanlage soll eine Masterplanung für eine Parkmeile mit ersten kleineren Teilprojekten entwickelt werden. So entsteht Schritt für Schritt eine zusammenhängende grüne Verbindung durch den Münchner Norden.
Das Kunstareal München mit seinen Museen, Hochschulen und Kulturorten zählt zu den bedeutendsten Kulturstandorten Europas. Die umliegenden Grün- und Freiflächen stehen allen Menschen kostenlos zur Verfügung.
Seit 2009 arbeiten der Freistaat Bayern, die Stadt München und verschiedene Partner daran, das Kunstareal weiterzuentwickeln und die Freiräume zu verbessern. Nach einem internationalen Wettbewerb wurde 2023 das Konzept „Kunstgarten“ des Pariser Büros Atelier Roberta ausgewählt. Es soll die Aufenthaltsqualität für Besucher*innen, Studierende und Anwohner*innen deutlich steigern.
Das Büro arbeitet derzeit an der Weiterentwicklung des Entwurfs.
Die Sonnenstraße soll von einer stark befahrenen Verkehrsachse zu einem attraktiven Boulevard mit mehr Grün werden. Als Verbindung zwischen Altstadt und Vorstadt soll sie künftig mehr Platz für Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und den öffentlichen Personennahverkehr bieten.
Geplant ist, die Sonnenstraße schrittweise umzugestalten und gemeinsam mit allen wichtigen Beteiligten weiterzuentwickeln: weniger Fahrstreifen und mehr Aufenthaltsbereiche, Bäume und Grünflächen – eine sogenannte Klimaterrasse auf der Altstadtseite. So entstünde ein angenehmerer, kühlerer und lebendiger Stadtraum.
Die neue Sonnenstraße ist damit ein erster Schritt zu einem klimaangepassten und lebenswerten Altstadtring.
Gemeinsam mit den Nachbarkommunen will die Landeshauptstadt die Landschaftsräume des Grüngürtels sichern und weiterentwickeln – als Grundlage für einen Regionalpark, der Natur, Erholung und Kultur verbindet.
Kurzfristig soll der Grüngürtel stärker ins Bewusstsein rücken – zum Beispiel durch eine landschaftlich attraktive Fahrradrundroute innerhalb und außerhalb der Stadtgrenze. Sie führt an kulturell und landschaftlich wichtigen Orten vorbei und verbindet bestehende Projekte zu einem gemeinsamen Gesamtbild.
Mit klarer Beschilderung und besonderen Erlebnisorten wird der Rundweg zum sichtbaren Symbol der Zusammenarbeit – und zu einem ersten Schritt auf dem Weg zu einem interkommunalen Regionalpark für die ganze Region.
Die nächsten Schritte
Die Leitprojekte sollen rasch vorangetrieben werden. Deshalb starten im Laufe des Jahres 2026 die ersten öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen.